Montag, 28. Februar 2011

Rezension: Die glücken Tage von Laurent Graff

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Antoine, mit Mitte dreißig eigentlich in der Blüte seines Lebens, beschreibt seinen Alltag im Altersheim – als Bewohner! Denn der Sinn unseres irdischen Daseins ist ihm ein Rätsel. Wozu arbeiten, heiraten, Kinder zeugen und ein nettes Häuschen bauen, wenn man letzten Endes sowieso irgendwann unter der Erde von Würmern zersetzt wird?
Die glücklichen Tage erzählt die Geschichte eines ganz ungewöhnlichen Aussteigers, der sich der Gesellschaft nicht entzieht, um auf Abenteuerreise zu gehen, sondern um im Altersheim, umgeben von Vergänglichkeit und Todesnähe, dem Sinn unserer Existenz auf die Schliche zu kommen. „Ich verhalte mich wie ein echter Voyeur, der durch den Türspalt beobachtet, was sich dahinter abspielt, und versucht, noch die geringste Regung auf der anderen Seite zu erfassen. Und ich will da sein, wenn die Tür zuknallt.“ (80) Sein ideales Beobachtungsobjekt scheint Antoine dann in der an Krebs erkrankten Mireille zu finden; fest entschlossen, ihr bis zu ihrem baldigen Tod nicht mehr von der Seite zu weichen, erfüllt er ihr ihren letzten Wunsch: noch ein letztes Mal das Meer sehen. Doch wer jetzt glaubt, der Roman münde in einer kitschig-verklärten Reise, während der Antoine das Leben als Geschenk zu wertschätzen beginnt, liegt falsch. Denn auch die letzten Tage im Leben eines Menschen werden nicht verschont von den kleinen Pannen des Alltags: Das Hotel, in dem man den schönsten Urlaub seines Lebens verbracht hat, hat dicht gemacht und im ganzen Ort sind einfach keine Austern aufzutreiben. Nachdem Mireille dann gestorben ist, kehrt Antoine zurück zu seiner Bank vor dem Altersheim. Auf seine Frage, welchen Platz der Mensch in unserem Universum einnimmt, scheint er keine befriedigende Antwort bekommen zu haben – oder doch?
„Dabei scheint es mir, wenn ich so auf meiner Bank im Park von Glück im Winkel sitze, als würde ich manchmal zu einer gewissen Form von Befreiung finden, einer >>Überexistenz<<, als würde ich über mich selbst hinauswachsen in dieser Verlassenheit, die mich jeder Bindung entledigt. Sie gleicht einer beruhigenden Schwerelosigkeit im Augenblick des Stillstands, einer Art existenzieller Levitation, die den normalen Gang des Lebens aufhebt. Man muss sich zugleich am weitesten von sich selbst entfernen und sich selbst am nächsten kommen, die Taue kappen, die einen an die Welt binden, und den Fallstricken entgehen. Dann hält einen keine Macht zurück, und man fliegt, von einem frischen Wind getragen, über die Welt.“ (94)

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Die Seitenangaben beziehen sich auf die deutsche Übersetzung, die 2007 im Lübbe Verlag erschien.

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