Dienstag, 29. März 2011

Rezension: "EDickinsonRepliLuxe" von Joyce Carol Oates

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„There is an hour when you realize: here is what you have been given. More than this, you won’t receive.” (39) Das voneinander gelangweilte Durchschnittsehepaar Krim stürzt sich in ein Abenteuer und schafft sich einen RepliLuxe an, eine lebensechte, computerprogrammierte Puppe, Nachbau einer berühmten Persönlichkeit, der diese noch einmal in einem neuen Umfeld ,leben’ lässt. Aber was für einen Replikant sollen die Krims bloß auswählen? Freud? Van Gogh? Mrs. Krim fühlt sich mit den Replikanten einer Profession besonders verbunden: „In my heart I’ve always been a poet, I think.“ (41) Aber dafür gab es im häuslichen Eheleben eben keinen Platz mehr. Deswegen soll nun Emily Dickinson bei den Krims einziehen. Emily Dickinson scheint einfach perfekt – geistreich, häuslich, einfühlsam und trotzdem nicht schwul wie etwa Whitman oder eine Selbstmörderin wie Plath. Doch nach der Lieferung folgt bald Ernüchterung: Mister Krim, sowieso nie ganz überzeugt von der Dichterin (Er wollte Van Gogh!), sieht den Replikanten als Eindringling, Mrs. Krim empfindet ein Gemisch aus Angst und Anziehung zugleich, selbst Emily scheint sich nicht recht heimisch zu fühlen in ihrem neuen Zuhause (so ganz anders als Amherst) und enttäuscht ihre Besitzer (bevorzugte Bezeichnung des Mannes) oder Weggefährten (Wortwahl der Frau) mit geisterhaften Abwesenheit. Sollte EDickinsonRepliLuxe die Eheleute einander wieder näher bringen, so entfremden sie sich nun immer mehr. Während Mrs. Krim nahezu schwesterliche Kameradschaft und die Verbündung zweier Dichterseelen in Emily sucht, letztendlich aber einsehen muss, dass Emily kein Interesse daran hat, ihre Lyrik und somit auch ihr Innenleben nicht mit ihr zu teilen, entwickelt Mr. Krim, angezogen durch die Macht, die er als ,Master’ über sein Eigentum Emily verfügt, eine seltsame Zuneigung für den Replikanten: „Yet he found himself staring after fey slender ‚Emily’ who was so much smaller than Mrs. Krim, seemingly so much younger, no sooner materializing in his presence like a wraith than she vanished leaving behind a faint fragrance of – was it lilac? A chemical-based lilac. Yet seductive.“ (58) Zum Abschluss gipfelt die Kurzgeschichte in einem gewaltsamen Übergriff, der dieser ungesunden Dreiecksbeziehung ein Ende setzt. Drei sind eben immer einer zu viel.

Neben „EDickinsonRepliLuxe“  erzählt Joyce Carol Oates in Wild Nights! außerdem Kurzgeschichten über die letzten Tage von Edgar Allan Poe, Mark Twain, Ernest Hemingway sowie Henry James und inszeniert diese jedes Mal in überraschenden, surrealen Gegebenheiten. 

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Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe von Wild Nights!, die 2008 im Ecco/HarperPerennial Verlag erschien. In dieser Ausgabe gibt es außerdem einen Kommentar von Oates über ausgewählte Passagen der jeweiligen Autoren. 

Hier könnt ihr ein weiteres Interview von Oates über Wild Nights! lesen.

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