Donnerstag, 23. Juni 2011

Rezension: City of Glass von Paul Auster, Teil 1 der New York-Trilogie

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Im Mittelpunkt des Romans steht der allein stehende Quinn, der normalerweise unter dem Pseudonym William Wilson Kriminalromane schreibt und nach mehreren mysteriösen Anrufen, die glatt einem seiner Romane hätten entspringen können, zu Paul Auster wird, dem angeblichen Privatdetektiv, der einen ominösen Herr Stillman vor seinem Vater schützen soll, sich später aber als ziemlich durchschnittlich lebender Buchautor erweist.
Ähnlich vertrackt wie diese Kurzzusammenfassung ist Austers City of Glass und bietet neben der Detektivgeschichte allerlei Gedanken über die Konstruktion unseres Seins und stellt dies in Zusammenhang mit unserer Sprache. Selbstreferenziell wird dabei gleich zu Beginn festgelegt: There is “no word that is not significant. And even if it is not significant, it has the potential to be so […]; the centre of the book shifts with each event that propels it forward. The centre, then, is everywhere, and no circumference can be drawn until the book has come to its end.” (8)
Darüber hinaus porträtiert Austers Werk als Großstadtroman ein unübersichtliches, aber auch unerschöpfliches New York, das sich manchmal auf untypische Art und Weise als symptomatisch für seine Bewohner präsentiert. So erlebt Quinn den Großstadtdschungel nicht als angsteinflößend, sondern als Zuflucht: “New York was an inexhaustible space, a labyrinth of endless steps, and no matter how far he walked, […] it always left him with the feeling of being lost. Lost, not only in the city, but within himself as well. […] On his best walks, he was able to feel that he was nowhere. And this, finally, was all he ever asked of things: to be nowhere.” (3f.) Letzten Endes sind es schließlich die Bewohner New Yorks, die den urbanen Text schreiben. So entpuppt sich Stillman senior schließlich als etwas tattriger, älterer Mann, der durch die Straßen des Big Apple sträunt und dabei Schrott sammelt. Dabei hinterlässt er jedoch seltsame Spuren – zumindest glaubt Quinn, aus Stillmans täglichen Routen eine geheimnisvolle Nachricht entziffern zu können. Und je tiefer Quinn sich in seine Detektivarbeit als Paul Auster hineinsteigert, je tiefer er sich in die der Großstadt ganz eigenen Sprache wagt, desto mehr wird er eins mit ihr… 

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Die Seitenangaben beziehen sich auf die englische Ausgabe, die 1999 im faber and faber-Verlag erschien.

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