Donnerstag, 30. Juni 2011

Rezension: Ghosts von Paul Auster, Teil 2 der New York-Trilogie

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Kluck aufs Bild!

Der Privatdetektiv Mister Blue wird von Mister White angeheuert, um einen gewissen Mister Black zu beschatten. Was als ganz gewöhnlicher Auftrag beginnt, verläuft dennoch ungewöhnlich, eben weil Mister Blacks Leben nichts Außergewöhnliches aufzuweisen scheint.
Blue quartiert sich gegenüber von Blacks Apartment ein, in welchem dieser zurückgezogen und recht anonym lebt. Fortan beobachtet Blue Black Tag und Nacht, aber Black sitzt bloß an seinem Schreibtisch, liest und schreibt. Und wenn er das Haus verlässt, dann nur um harmlose Besorgungen zu machen. Oder? Ist Black wirklich so harmlos? Warum sollte man ihn dann beschatten lassen? Wer beschattet letzten Endes eigentlich wen? Und was für eine Rolle spielt White in dieser Dreierkonstellation? Ghosts wirft viele Fragen auf, aber anstatt passgenaue Antworten zu liefern, wird dem Leser ein Spiegel vorgehalten: Genauso, wie Blue Black spiegelt (oder umgekehrt?), spiegelt der Roman den Versuch des Lesers (bzw. eines jeden Lesers) wieder, aus in Sprache verpackten Fakten eine kohärente Struktur zu konstruieren.
Auch bei diesem Teil der Trilogie gilt, dass auch Leser, die Detektivgeschichten vielleicht nicht unbedingt zugeneigt sind, Gefallen an Austers Fiktion finden können. Ghosts ist nämlich vielmehr ein postmodernes und poststrukturalistisches Werk, das zentrale Konflikte unseres (großstädtischen) Daseins aufgreift, getarnt als Detektivgeschichte.  

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