Sonntag, 11. September 2011

Rezension: "Black Dahlia and White Rose" von Joyce Carol Oates

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Oates’ Kurzgeschichte “Black Dahlia and White Rose” ist nicht nur, wie angekündigt, inspiriert von dem Videospiel L. A. Noire, sondern unübersehbar auch von der wahren Geschichte um den ungeklärten Mord an der schönen Elizabeth Short im Jahr 1947, welchem damals große mediale Aufmerksamkeit zukam und der schon oft zum Gegenstand von Literatur und Film gemacht wurde. Und doch fügt Oates ihm neue Aspekte hinzu: Sie inszeniert Shorts (viel zu kurzes) Leben parallel und gleichzeitig im Kontrast zu dem der Norma Jeane Baker, die später als Marilyn Monroe zur unsterblichen Ikone aufsteigen sollte. Die Sehnsucht nach Ruhm und Anerkennung wird dabei zur Kompensation für abwesende Väter und Ehemänner.
Dieser Blickwinkel wird dem Leser eröffnet durch die Perspektiven von Norma Jeane, dem Fotografen K. Keinhardt, der beide Schönheiten ablichtete, und Betty Short, die sich, wie sie selber so schön sagt, post mortem zu Wort meldet. Ihr Kommentar ist natürlich besonders interessant: So gibt sich die Black Dahlia eher weniger wütend und verbittert über die grausamen Qualen, denen sie ausgesetzt wurde. Sie ist eher verärgert und besorgt darüber, wie die Welt sie in Erinnerung behalten wird. Und angesichts des ‚Celebrity-Wahn(sinn)s’ in unserer Gesellschaft – und der mysteriöse Tod von Amy Winehouse ist, obwohl Oates’ Kurzgeschichte vorher entstand, nur eines von vielen möglichen Beispielen – kann es nicht schaden, über unser sensationsgeiles Verhalten zu reflektieren. „Black Dahlia and White Rose“ kann man zwar mühelos ‚mal zwischendurch’ lesen, die Kurzgeschichte bleibt aber im Kopf hängen und sollte somit keinesfalls als eine weitere Story über die sagenumwobene Black Dahlia abgetan werden. 

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Oates' Kurzgeschichte ist Teil von L.A. Noire: The Collected Stories, welche als E-Book erhältlich sind. "Black Dahlia and White Rose" könnt ihr aber auch hier (kostenlos) lesen.

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