Freitag, 28. Oktober 2011

Rezension: Americana von Don DeLillo

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In DeLillos Debüt verfolgen wir die Geschichte des David Bell, der in der New Yorker Fernsehbranche arbeitet und dort, ähnlich wie der Hauptprotagonist in Metropolis, mit seinen 28 Jahren bereits früh zu Erfolg gekommen ist. Der Roman liest sich dabei zunächst als eine Gesellschaftsstudie Amerikas mit satirischem Einschlag, ab und an werden die bissigen Kommentare Bells über seine ach so aufgesetzte Generation jedoch abgelöst von leiser Melancholie. So beschreibt er die New Yorker Massen wie folgt: „the faces seemed gray and stricken, the bodies surreptitious in the scrawls of their coats, and it occurred to me that perhaps in this city the crowd was essential to the individual; without it, he had nothing against which to scrape his anger, no echo for grief, and not the slightest proof that there were others more lonely than he.” Aber dann auch gleich: „This was just a passing thought.” (29) Denn es gibt einfach so viel in der aufstrebenden medialen Welt, das ihn ablenkt von den Dingen, die eigentlich in Bells Kopf rumspuken: Die Geschichte seiner Familie, der Elterngeneration, die Krieg miterlebt hat und der es nicht immer so sorgenfrei blendend ging wie ihm selber.
Fernab der New Yorker Großstadt-Hektik begibt sich Bell in der zweiten Hälfte des Romans auf die Mission, einen autobiographischen Film zu drehen, amateurhaft und avantgardistisch gleichzeitig, der ihm seiner eigenen Identität näher bringen soll. Denn: „We are what we remember. The past is here, inside this black clock, more devious than night or fog, determining how we see and what we touch at this irreplaceable instant in time.” (299) Ob ihm diese Mission glückt, sollte jeder selber nachlesen. Aufgrund ellenlanger Monologe gestaltet sich das zwar teilweise etwas anstrengend, aber den Höhepunkt der Ausschweifungen während Bells Road Trips sollte man dennoch nicht verpassen. Alles hat schließlich irgendwann mal ein Ende, ganz gemäß dem Motto: „,Do you have any particular ambition in life?’ - ‚To get out of it alive.’“ (286)

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Die Seitenangaben beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe, die 1989 im Penguin Verlag erschien. Diese Ausgabe ist in einigen Passagen von DeLillo leicht von der Erstausgabe aus dem Jahr 1971 abgeändert worden. 

Freitag, 14. Oktober 2011

Rezension: Cosmopolis von Don DeLillo

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Ein beliebiger Apriltag im Jahr 2000. Wir befinden uns in Manhattan. Und Eric Packer, 28 Jahre alt, Multimilliardär und Businessman, möchte zum Frisör. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn einmal in seine weiße Stretchlimousine eingestiegen, begibt er sich auf eine Odyssee, die gleichzeitig an Absurdität und Wirklichkeitsnähe nicht zu überbieten ist. Die Welt, in der wir uns befinden, ist dermaßen digitalisiert und virtualisiert, dass das wahre Leben dagegen unscheinbar blass aussieht. Dabei passiert doch so viel: Globalisierungsgegner, die demonstrieren und sich, um ihrer Botschaft Nachdruck zu verleihen und Aufmerksamkeit zu erhaschen, selbst anzünden… erotische Abenteuer und seine frisch angetraute, eher keusche Ehefrau, die Millionenerbin und Poetin ist, kreuzen mehrmals Erics Weg… er macht sich spontan nackig für Filmaufnahmen, feiert in einer Disco ab und marschiert mit im Trauerumzug für einen kürzlich verstorbenen, aber nicht dramatisch niedergeschossenen, Rapper. Die Reihenfolge ist dabei eigentlich egal, denn Eric ist zwar Dank seiner medialen Ausstattung stets nah am Geschehen, doch innerlich fern und entfremdet von dieser Welt. Alles, was ihn interessiert, ist sein Haarschnitt und der Kurs des Yen. Wieso letzterer so interessant ist, weiß der Vermögensverwalter selbst nicht so genau; mit Geld handeln tut er nur um des Geldes Willen. Er hat ja auch alles, was man sich vorstellen kann! Kork in der Limousine, ein 48-Zimmer-Apartment ausgestattet mit jeglichem technischen Schnickschnack sowie eine asymmetrische Prostata. Obwohl diese ihn ein bisschen beunruhigt, ist sie nicht das, was ihm zum Verhängnis wird. Denn die nonlineare Erzählstruktur lässt uns bereits im 2. Kapitel des 1. Teils Schlimmes vermuten... Erics 19 Jahre ältere Liebhaberin und Repräsentantin einer älteren Generation sagte einmal zu ihm: „Life is too contemporary“ (27), doch während in der Vergangenheit die Zukunft noch in der Technik lag, liegt im Jahr 2000 die Zukunft schon in der Technik.
DeLillo rechnet ab mit der Millenniumsgeneration, bevor das Millennium richtig starten konnte. Das Bild, das er dabei sprachlich aufbaut, ist fragmentiert; kaum hat ein Gedanke begonnen, wird dieser auch schon wieder abgebrochen, weil etwas ablenkt. Wichtig und unwichtig, Chaos und System, sind dabei nicht immer auseinander zuhalten. Eric Packer ist nicht bloß ein Charakter in einem Roman, er ist ein Symptom einer Gesellschaft. Sein Tod soll ein Weckruf sein, doch geht auch der im Durcheinander des Romans, sowohl auf sprachlicher als auch inhaltlicher Ebene, ein wenig unter.

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Die Seitenangabe bezieht sich auf die Ausgabe, die 2004 bei Scribner erschien.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Link-Tipp(s): Vorsicht Rilke im Marker-Blog und Ranga Yogeshwar im Interview

Heute gibt es gleich zwei Link-Tipps! Zum einen startet der zdf.kultur-Moderator Lukas Koch im Marker-Blog eine Reihe, in der er seine Lieblinge der Literatur vorstellt. Den dramatischen Auftakt gibt es heute mit Rilkes "Der Tod der Geliebten": 




Und dann könnt ihr auf buchreport.de noch ein interessantes Interview mit Ranga Yogeshwar lesen, in dem die Digitalisierung der Literaturbranche diskutiert wird.


Viel Spaß beim Klicken und Hören/Lesen!


Samstag, 8. Oktober 2011

Rezension: Leviathan von Paul Auster

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In Leviathan erzählt Peter Aaron die Geschichte eines Mannes, der sich vor ein paar Tagen selbst in die Luft gesprengt hat. Der Roman beginnt wie eine Detektivgeschichte, entwickelt sich jedoch zu einer Charakterstudie; denn der Mann, dessen Lebensgeschichte Aaron versucht zu rekonstruieren, war sein bester Freund, der Schriftstellerkollege Benjamin Sachs.
Sachs, den Aaron in den 1970er Jahren in einer Bar in Greenwich Village kennen lernte, war jemand, zu dem Aaron herauf schaute - humorvoll, geistreich, talentiert und mit einer umwerfenden Frau glücklich verheiratet. Scheinbar. Denn in den knapp 20 Jahren Freundschaft musste Aaron einige Veränderungen Sachs miterleben, die scheinbar durch einen unglücklichen Fenstersturz und die damit einhergehende Nahtoderfahrung initiiert wurden. Die Lebensgeschichte Sachs bleibt dabei fragmentarisch; außerdem spielt - wie man das von anderen Auster-Romanen bereits kennt - die Macht des Zufalls eine wichtige Rolle. So erzählt Aaron gewissermaßen nicht nur die Geschichte von Sachs, sondern auch seine eigene und die von einer Ex-Prostituierten oder einer Fotokünstlerin, welche Sachs Lebensweg kreuzten und auf nahezu schicksalhafte Art beeinflusst haben.
Leviathan, so hieß Sachs Roman, den er begonnen, aber niemals abgeschlossen hat. Aaron versucht mit der Niederschreibung von Sachs Leben, dessen Ideologie Ausdruck zu verleihen. Dabei wird auf mehreren Ebenen versucht, eine objektive Wahrheit mittels verschiedener, teils widersprechender, subjektiven Darstellungen zu erreichen. Auster spielt wieder einmal mit der Fiktionalität unserer Realität und da der Roman sich flüssig liest und von überschaubarer Länge ist, wird der Leser nicht überfordert, aber dennoch auf eine gehaltvolle Art unterhalten.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Link-Tipp: Videospiele und Literatur bei Pixelmacher

Pixelmacher, das Videospielmagazin auf zdf.kultur, hat vor einiger Zeit einen Bericht über 'literarische Videospiele' gebracht. Unter dem nachfolgenden Link könnt ihr ein Interview mit Ute Schwens, Leiterin der Deutschen Nationalbibliothek, anschauen, in dem diskutiert wird, wie literarisch Videospiele eigentlich sein können. Sehr interessant, auch wenn man nicht gerade ein Videospieljunkie ist!





Wenn ihr euch für dieses Thema interessiert, könnt ihr in der Mediathek des ZDF noch weitere Ausschnitte aus der Sendung anschauen!