Donnerstag, 10. November 2011

Rezension: The Imperfectionists von Tom Rachman

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Rachmans Debüt dreht sich inhaltlich rund um die Redaktion einer englischsprachigen Tageszeitung in Rom und zeichnet sich in erster Linie durch seinen formalen Ansatz aus: Jedes Kapitel liest sich wie eine individuelle Kurzgeschichte aus der Perspektive eines Mitarbeiters; als roten Faden, der sich durch den gesamten Roman zieht und die einzelnen Geschichten zu einem kohärenten Ganzen vereint, gibt es am Ende jedes Kapitels ein paar wenige Seiten, die dem Leser fragmentarisch Einsicht in die Entstehungsgeschichte der Zeitung gewähren.
Den einzelnen Geschichten unterliegt ein gemeinsames (Kontrast-)programm: Während innerhalb der Zeitungsredaktion Oberflächlichkeit bis hin zur Anonymität herrscht, gibt es in den Geschichten intime Einblicke ins Privatleben der Beteiligten. So erlebt der Leser mit, wie beispielsweise Abbey Pinnola, auch schlicht „Accounts Payable“ genannt, bei einem Liebesabenteuer eingeholt wird von einer Personalentscheidung. Oder er erfährt, warum Ornella De Monterecchi, die treuste Leserin des Blattes, die jede Ausgabe von vorne bis hinten studiert und deswegen rund 10 Jahre im Rückstand ist, ausgerechnet die Ausgabe vom 24. April 1994 nicht finden kann und warum das ihr Leben für immer verändert. Obwohl die kleinen privaten Dramen der Mitarbeiter so viel unbedeutender scheinen als die Schlagzeilen, die die Zeitung abdruckt und die außerdem jedes Kapitel küren, sind sie doch umso interessanter, da greifbarer, menschlicher.
Nichtsdestotrotz ist der Ton in Rachmans Roman nicht durchweg ernst, denn im Alltag der Mitarbeiter gibt es so einige Kuriositäten zum Schmunzeln. Tragisch-komisch ist da wohl das passende Attribut. Und wenn dieses Buch eine Nachricht in sich birgt, dann ist es der altbekannte Slogan „Nobody is perfect“, gepaart mit „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ und Robert Frosts Lebensweisheit „Was ich vom Leben gelernt habe, kann ich in drei Worte fassen: Es geht weiter.“
Nichts Neues? Aber dennoch mit viel Mühe verpackt und schön zu lesen.

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