Freitag, 27. Januar 2012

Link-Tipp: Welttag des Buches - Werdet Buchfreund!

Am 23. April 2012 ist Welttag des Buches! Dazu gibt es eine Aktion, wobei ihr die Gelegenheit habt, unter dem Motto "Lesefreunde schenken Lesefreude" Buchpakete zu erhalten und diese an Freunde, Familie, Bekannte oder an alle diejenigen, die eurer Meinung nach mal wieder ein gutes Buch lesen sollten, zu verteilen. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist Folgendes: Registriert euch als einer der ersten 33.333 Registrierten auf 

und entscheidet euch für ein Buch aus der Liste. Anfang/Mitte März holt ihr euer Buchpaket zum Weiterverschenken dann in einer Buchhandlung doer Bibliothek in eurer Nähe ab.

In diesem Video erklärt Jörg Pfuhl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen, die Initiative "Lesefreunde" ausführlich.



Ich mach auch mit! :)

Sonntag, 22. Januar 2012

Rezension: The Sense of an Ending von Julian Barnes

In Tonys Clique war Adrian immer der Exot. Der Neue. Der Ernste. Der, um dessen Gunst jeder buhlte. Doch nach dem Schulabschluss gehen die vier Jungs getrennte Wege. Tony geht dann eine Weile mit Veronica aus, aber irgendwann verläuft auch das im Sande. Bis Tony einen Brief von Adrian erhält mir der Bitte, mit Veronica ausgehen zu dürfen. Das setzt dann der Freundschaft zwischen den beiden ein endgültiges Ende. Etwa ein halbes Jahr später begeht Adrian Suizid - und keiner seiner Freunde kann nachvollziehen, warum.
   An all das erinnert sich Tony nun, knapp ein halbes Jahrhundert später, nachdem er einen rätselhaften Brief erhalten hat: Der Nachlassverwalter von Veronicas Mutter informiert ihn darüber, dass Tony aus ihrem Nachlass das Tagebuch von Adrian erhalten soll. Wieso ist ausgerechnet Veronicas Mutter im Besitz dieses Buches? Und warum vermacht sie es Tony und nicht ihrer Tochter? Ist das Tagebuch der Schlüssel zu Adrians Selbstmord? All das beschäftigt Tony, aber Veronica enthält ihm das Tagebuch vor. Deswegen kommt es nach so langer Zeit wieder zu Treffen zwischen dem ehemaligen Liebespaar. Wer nun Romantik erwartet, ist auf der falschen Fährte, denn die Treffen mit Veronica lassen Vieles nur noch rätselhafter erscheinen. Und selbst als Tony sich alle Fakten erschließen kann, so kann er die Bedeutung dieser letzten Endes nur erahnen.
Julian Barnes’ The Sense of an Ending, das vergangenes Jahr den Booker Prize gewann und kürzlich in Deutsch mit dem Tital Vom Ende einer Geschichte erschien, ist ein Roman über die Macht und Ohnmacht der Erinnerung. Er erkundet die Grenzen der Subjektivität sowie den Grad an Realität oder Fiktion der eigenen Lebensgeschichte. Ganz versteckt findet man in ihm vielleicht auch die Mahnung oder den Appell, nicht erst so spät wie Tony über solche Grundzüge des menschlichen Bewusstseins zu reflektieren. Denn, das musste Tony schmerzlich feststellen, ändern kann man die Dinge im Nachhinein nicht mehr, sondern nur die Erinnerung an sie.





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Dieses Buch ist mein Januar-Beitrag zur "I'm in... English Challenge... reloaded".



Montag, 16. Januar 2012

Rezension: Vollkommen leblos, bestenfalls tot von Antonia Baum

Die junge Ich-Erzählerin will aus dem kleinbürgerlichen Idyll, welches überschattet wird von der Scheidung ihrer Eltern, ausbrechen und zieht ohne Plan, aber mit vielen Plänen nach dem Abitur in die große Stadt. „Man kann alles machen. Ich will was werden. Ich weiß noch nicht genau, was, aber ich will. Ich schaue in den Himmel, ich habe ein eigenes Glück, denke ich, worauf ich aufpassen werde, und ich wünsche, bitte, bitte, bitte, dass es gut wird.“ (16) Doch anscheinend passt sie nicht gut genug darauf auf, denn anstatt ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen und sich Stück für Stück ein bisschen Eigenständigkeit aufzubauen, geht die junge Frau eine Beziehung ein, zu Patrick, der sie, wie sie selbst so schön sagt, als „Besitztum“ (30) behandelt. Lief die Erzählerin vorher vor ihren sich immer wieder streitenden (Stief-)Eltern weg, ist sie nun ständig auf der Flucht vor Patrick. Dieser findet sie jedoch jedes Mal, oder lässt sie sich, ohne das zugeben zu können, gar finden? Gegen wen sollte die Erzählerin sonst ihre unglaubliche Wut und Abscheu, die sie immer wieder in lange, detaillierte Mordgedanken fasst, wenden? Gegen sich selber etwa? Schließlich muss die Antiheldin in Baums Roman sich selber eingestehen: „Du, denke ich, hast anderen immer ihr Ferngesteuertsein vorgeworfen, […] und nun, denke ich, bist du selber zu der ferngesteuertsten aller Ameisen unter der Sonne avanciert“ (109). Letzten Endes kann sie Patrick entkommen, oder vergrault ihn, das kann man nicht so genau sagen, aber anstatt aus ihren Fehlern zu lernen begibt sie sich in die nächste ungesunde Beziehung, zu Jo, einen mittelalten und mittelmäßigem Theaterschauspieler. In diesen ist die ach-so-erwachsene Erzählerin verknallt wie eine 13-jährige Pubertierende. Nun ist sie diejenige, die dem Partner hinterher rennt und die Luft zum Atmen nimmt. Natürlich kann auch das nicht gut gehen. Und wieder gibt es seitenlange Folter- und Mordgelüste.
Antonia Baums Debütroman soll als Charakterstudie der heutigen Generation von jungen Menschen Anfang zwanzig funktionieren. Die namenlose Erzählerin, mit der sich jeder identifizieren können soll, soll für die jungen Menschen stehen, die nichts mehr zu befürchten haben außer sich selbst. Und den Druck, sich selbst zu verwirklichen. Frauen kommen dabei irgendwie schlechter weg als die Männer, die als dominante Alphamännchen dargestellt werden. Die seitenlangen Gedankengänge spiegeln einen Menschen wieder, der auch im übertragenen Sinne nichts mit einem Punkt abschließen kann. Leider gibt sich die Erzählerin vorrangig als aggressiver Naseweis, der am Ende glücklicherweise doch ein bisschen was versteht und endlich einmal innehalten kann. Baums Roman passt auf die Aussage des betrunkenen und gescheiterten Schriftstellers, die sie in einer Art Prolog der Geschichte der Erzählerin voranstellt: „Keine Geschichten, nichts Ganzes, nur Bedeutungsloses. Aber ich kann nichts dafür. Wäre ich arm, wäre ich ein Ali, würde irgendjemand eine Bombe auf mich werfen, mich wenigstens diskriminieren oder meine Menschenrechte verletzten, glaub mir, es wäre ganz anders.“ (5) Ist es aber nicht.


                                                 

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Die Seitenangaben beziehen sich auf die Erstausgabe, die 2011 bei Hoffmann und Campe erschien.

Zitat der Woche

Mittwoch, 11. Januar 2012

Link-Tipp: Buchcasino

Die Verlagsgruppe Droemer Knaur hat vor kurzen auf Facebook ein Buchcasino eröffnet! 
Unter www.facebook.com/Buchcasino könnt ihr an einem 'Buchbanditen' spielen und so die Chance bekommen, ein Lieblingsbuch des Monats zu gewinnen. Um an der Verlosung teilzunehmen, müsst ihr einfach mit 6 Versuchen mehr als 1000 Punkte erspielen oder den Jackpot knacken und einen Sofortgewinn einheimsen. Ihr habt so viele Versuche, wie ihr Gedult aufbringen könnt. 
Diesen Monat gibt es den Kriminalroman Alle Rache will Ewigkeit von Val McDermid zu gewinnen. Außerdem gibt es nach jeder Spielrunde Buchtipps; die Genres der Bücher sind dabei jeweils angepasst an die verschiedenen Symbole des Buchbanditen!

Viel Glück!


Dienstag, 10. Januar 2012

Rezension: The Fortress of Solitude von Jonathan Lethem

Dylan ist ein weißer Junge unter vielen schwarzen Kindern im Brooklyn der 70er Jahre. Von den meisten anderen Nachbarskindern ausgegrenzt, freundet er sich ausgerechnet mit dem berühmt-berüchtigten Mingus an, Sohn des noch berühmteren und berüchtigteren Barrett Rude Jr., einer Funk und Rap Legende. Wie Dylan, dessen Vater Maler ist und experimentelle Filmaufnahmen macht, kommt auch Mingus aus einem eher ungeregelten Haushalt. Außerdem sind die Mütter beider Jungen abwesend. Obwohl diese Abwesenheit allgegenwärtig ist, wird sie jedoch nie explizit thematisiert. Vielmehr flüchten die beiden sich in die Musik, die Kunst des Graffitis, in den Drogenrausch und in die Welt ihrer Comic-Superhelden. Ein Ring, den Dylan von einem sterbenden Obdachlosen geschenkt bekommt, verleiht den Jungs magische Kräfte; so können die beiden, denen bereits in jungen Jahren so viel Schlechtes widerfuhr, zumindest versuchen, mit der gemeinsamen Kreation des Helden ‚Aeroman’ etwas Gutes zu tun.
Doch als die beiden aus dem Kinderalter herauswachsen, trennen sich ihre Wege nach einem tragischen Vorfall, der Mingus ins Gefägnis bringt und über den sein bester Freund sein Leben lang Stillschweigen bewahren wird. Dylan, der zuvor oftmals schon hin und her gerissen war zwischen der Funk- und Rapmusik seiner schwarzen Nachbarskinder und dem Punk und Rock seiner weißen Mitschüler, hat auch auf dem College Anpassungsprobleme. War Dylan in Brooklyn nicht schwarz genug, ist er in Camden nicht weiß genug. Und obwohl es ihm gelingt nach einem weiteren Ortswechsel ein Studium abzuschließen, kann er seine Vergangenheit nicht vergangen sein lassen. Um endlich Frieden mit sich selbst zu schließen, zieht es nach zwanzig Jahren nicht nur Dylan, sondern auch ‚Aeroman’, nach Brooklyn, in die ‚Fortress of Solitude’, zurück…
Jonathan Lethems ,coming-of-age novel’ versieht den Realismus des Ghettos mit ein bisschen Magie, ohne dabei an Authentizität einzubüßen. Außerdem ist die Perspektive eines weißen Jungen als Außenseiter inmitten des afro-amerikanisch geprägten Brooklyns sehr interessant. Dabei ist die Art und Weise, wie (pop-)kulturelle Güter wie Musik und Graffiti Identitäten produzieren, allgemeingültig und macht so diese einzigartige Geschichte universell.


Mittwoch, 4. Januar 2012

Rezension: Schoßgebete von Charlotte Roche

Wessen Erstlingswerk sich über 1,3 Millionen Mal verkauft, dessen zweiter Roman muss sich unweigerlich mit dem Debüt messen. Das weiß auch Charlotte Roche und entgegnet den Spekulationen darum, ob ihr neuer Roman Schoßgebete noch tabuloser mit dem Thema Sexualität umgeht, indem sie ihn mit einer seitenlangen und peinlichst detaillierten „Blase-Szene“ eröffnet. Schoßgebete ist jedoch nicht nur in dieser Hinsicht noch radikaler als sein Vorgänger: Im Gegensatz zu Feuchtgebiete geht es in diesem Roman nicht um eine Teenagerin, die gegen die Hygiene- und Rollenvorstellungen ihrer Mutter rebelliert, nachdem jene sich hat scheiden lassen und versuchte, sich und ihren Sohn umzubringen. In Roches zweitem Werk haben wir es mit Elizabeth Kiel zu tun, einer erwachsenen Frau mit Mann und Kind. Und während Elizabeth selbst aus einer Familie stammt, die sich eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen kann, mit den geschiedenen Eltern und den ständig wechselnden Lebensgefährten der dominanten Mutter, versucht Elizabeth verzweifelt, ihren Familienalltag so normal wie möglich zu gestalten. Doch was bedeutet Normalität im Leben einer Frau, die mit dem tragischen Unfalltod von drei Geschwistern, die ausgerechnet auf dem Weg zu ihrer Hochzeit starben, umgehen muss?
Diesen Kampf um ein geregeltes Leben, der sich gleichwohl als Überlebenskampf bezeichnen lässt, schildert Roche gewohnt offen und neurotisch detailbesessen. Der Roman umfasst insgesamt einen Zeitraum von drei Tagen, die scheinbar willkürlich aus dem Leben der Elizabeth Kiel gegriffen sind. Doch Elizabeths tägliche Routine schließt eben auch das Extreme mit ein: Zum einen wären da die Therapiestunden, die ihr helfen sollen, die Allgegenwärtigkeit des Todes zu akzeptieren, damit Roche die Rolle der Überlebenden ablegen und wieder zur Lebenden werden kann. Und zum anderen wäre da der Sex, der, immer dann wenn ihre Tochter gerade nicht ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge in Anspruch nimmt, ihre ganze Energie beansprucht. Sich ihrem Mann zu widmen und sich völlig hinzugeben bedeutet für Elizabeth jedoch viel mehr als bloße Lust. Denn nur dann kann sie, die quasi aus nichts mehr besteht als aus dem Trauma ihrer Vergangenheit, diese und somit sich selber vergessen. Anders als in Feuchtgebiete ist Sex hier nicht nur Rebellion, sondern auch Selbstaufgabe. Und anders als in Feuchtgebiete kann die Protagonistin ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen und neu anfangen. Denn in Schoßgebete ist das Happy End nicht nur schwach, sondern gänzlich Tarnung. Elizabeth kriegt zwar, was sie will, aber dennoch nicht, was sie eigentlich bräuchte.
So hinterlässt der Roman den Leser innerlich genauso zerrissen wie seine Hauptfigur - unerschrocken, da man sich bereits zum zweiten Mal den Neurosen von Roches Charakteren gestellt hat, und verunsichert, was das halboffene Ende des Romans betrifft. Außerdem sind Parallelen zu Roches eigener Biografie (man bedenke, dass ihr Zweitname Elizabeth ist) nicht von der Hand zu weisen, was teilweise die Lese-Erfahrung stark beeinflusst. Beispielsweise traut man sich nicht wirklich, bei den aufgebauschten Hasstiraden gegen die „Druck-Zeitung“ mit den Augen zu rollen, wenn man immerzu denken muss ‚Nach so einem Schicksalsschlag hätte ich nicht die Kraft, das ganze auch noch in einem Roman zu verarbeiten und öffentlich mein Innerstes nach Außen zu kehren!’. Wenn man trotzdem diese Extremsituation einmal ausblenden kann, ist Schoßgebete auch ein Beziehungsroman, in dem sich jeder irgendwo wieder finden kann. Wieder einmal schreibt Roche das nieder, was viele nicht aussprechen können. Und während man sich nach der Lektüre von Feuchtgebiete fragte, wie Roche diesen Erfolg an Offenheit und Radikalität übertrumpfen will, fragt man sich nach dem Lesen von Schoßgebete erst recht, was als Nächstes kommen wird - jetzt, wo sie ihr letztes großes Tabuthema, den Tod ihrer Brüder, auch überwunden hat.


Link-Tipp: Hesse auf Facebook

Der Suhrkamp Verlag startet im März 2012 eine Aktion mit dem Titel "Hermann Hesse antwortet... auf Facebook". Wie auf der Verlagshomepage beschrieben, werden auf  www.facebook.com/hesse.antwortet dann Briefe von Hesse veröffentlicht, die er ursprünglich als Antwort auf Leserzuschriften verfasst hat. Die Facebook-Benutzer werden dazu aufgerufen, auf diese Antworten zu reagieren, sei es in Form eines Kommentars oder per Like-Button. Dieses Projekt ist mit einer Dauer von 30 Tagen angesetzt; danach sollen die Briefe mitsamt der Reaktionen  - dann doch ganz 'altmodisch' - in Buchform veröffentlicht werden. 
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was dabei zu Stande kommt!