Sonntag, 22. Januar 2012

Rezension: The Sense of an Ending von Julian Barnes

In Tonys Clique war Adrian immer der Exot. Der Neue. Der Ernste. Der, um dessen Gunst jeder buhlte. Doch nach dem Schulabschluss gehen die vier Jungs getrennte Wege. Tony geht dann eine Weile mit Veronica aus, aber irgendwann verläuft auch das im Sande. Bis Tony einen Brief von Adrian erhält mir der Bitte, mit Veronica ausgehen zu dürfen. Das setzt dann der Freundschaft zwischen den beiden ein endgültiges Ende. Etwa ein halbes Jahr später begeht Adrian Suizid - und keiner seiner Freunde kann nachvollziehen, warum.
   An all das erinnert sich Tony nun, knapp ein halbes Jahrhundert später, nachdem er einen rätselhaften Brief erhalten hat: Der Nachlassverwalter von Veronicas Mutter informiert ihn darüber, dass Tony aus ihrem Nachlass das Tagebuch von Adrian erhalten soll. Wieso ist ausgerechnet Veronicas Mutter im Besitz dieses Buches? Und warum vermacht sie es Tony und nicht ihrer Tochter? Ist das Tagebuch der Schlüssel zu Adrians Selbstmord? All das beschäftigt Tony, aber Veronica enthält ihm das Tagebuch vor. Deswegen kommt es nach so langer Zeit wieder zu Treffen zwischen dem ehemaligen Liebespaar. Wer nun Romantik erwartet, ist auf der falschen Fährte, denn die Treffen mit Veronica lassen Vieles nur noch rätselhafter erscheinen. Und selbst als Tony sich alle Fakten erschließen kann, so kann er die Bedeutung dieser letzten Endes nur erahnen.
Julian Barnes’ The Sense of an Ending, das vergangenes Jahr den Booker Prize gewann und kürzlich in Deutsch mit dem Tital Vom Ende einer Geschichte erschien, ist ein Roman über die Macht und Ohnmacht der Erinnerung. Er erkundet die Grenzen der Subjektivität sowie den Grad an Realität oder Fiktion der eigenen Lebensgeschichte. Ganz versteckt findet man in ihm vielleicht auch die Mahnung oder den Appell, nicht erst so spät wie Tony über solche Grundzüge des menschlichen Bewusstseins zu reflektieren. Denn, das musste Tony schmerzlich feststellen, ändern kann man die Dinge im Nachhinein nicht mehr, sondern nur die Erinnerung an sie.





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Dieses Buch ist mein Januar-Beitrag zur "I'm in... English Challenge... reloaded".



1 Kommentar:

  1. Hallo - ich lasse dir mal herzliche Stöbergrüße da, nachdem ich von deinem Blog bei LovelyBooks gelesen habe.

    Als Leser eingetragen habe ich mich natürlich auch direkt, jetzt bin ich gespannt, was es hier zu entdecken gibt.

    Liebe Grüße
    LeseMaus

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