Donnerstag, 2. Februar 2012

Rezension: Alle Rache will Ewigkeit von Val McDermid


Die Kriminalpsychologin Charlie Flint wurde vom Dienst suspendiert, nachdem ein Mann, dessen Unschuld sie beteuerte, auf freien Fuß kam und anschließend vier Frauen tötete. Dann erreicht sie ein Päckchen ohne Absender, in dem sich Zeitungsartikel zu einem anderen Mordfall, in dessen Prozess bald eine Verurteilung erwartet wird, befinden. Ein Bräutigam wurde während seiner Hochzeitsfeier angeblich von seinen zwei Geschäftspartnern ermordet, weil  diese befürchteten wegen schmutziger Geschäfte verpfiffen zu werden. Doch wer hat diese Artikel geschickt? Und warum? Soll Charlie etwa eine falsche Verurteilung verhindern und sich so rehabilitieren? Oder sollte sie besser die Finger davon lassen? Während Charlies Lebensgefährtin Maria sich zunächst eher rational und unbeeindruckt gibt, macht Lisa, Charlies heimlicher Flirt, ihr Mut. Und so begibt sich Charlie auf eine Spurensuche, die sie auch zurück in ihre eigene Vergangenheit, ans College in Oxford, führt… Die Mutter der jungen Witwe ist nämlich eine ehemalige Dozentin von Charlie und die Frau namens Jay, mit der die Witwe Magda sich scheinbar über den Tod ihres Mannes hinwegtröstet, hielt sich bereits zu Studienzeiten im Umfeld eines ziemlich ähnlichen tödlichen Unfalls auf. Oder war das alles gar kein Unfall? Charlies Gespür und ihre Menschenkenntnis scheinen ihr den richtigen Weg zu Weisen, die Beweisführung aber gestaltet sich problematisch. Oder gibt es vielleicht gar keine Beweise und gar keine falsche Verdächtigung? Ist Charlies Intuition vielleicht verwirrt, genauso wie ihre Gefühle für Lisa sie verwirren? Denn diese gefährdet nicht nur Charlies Beziehung zu Maria, sondern auch ihr Leben.
McDermids Krimi wirft leider nicht so viele Fragen auf, wie es hier zunächst den Anschein erwecken mag. Von Anfang an weiß der Leser, dass die eigentlichen Verdächtigen unschuldig sind und Jay Dreck am Stecken hat. Lediglich für die Auflösung der Einzelheiten muss man sich gut 500 Seiten lang gedulden. Die große Kehrtwende bleibt aus, denn man muss kein Krimi-Fan sein um zu ahnen, dass die Figur der Lisa eine weitere Funktion haben muss außer die der Außenstehenden, die Charlies Liebe zu Maria auf die Probe stellt. Obwohl der Roman in einem lesbischen Milieu angesiedelt ist, sind die darin geschilderten Beziehungen und ihre Probleme konventionell. Dies soll vielleicht zeigen, dass homosexuelle Beziehungen nicht anders sind als heterosexuelle, aber es bereichert weder die Handlung noch die Charakterkonstellationen. Haben die Figuren mit Vorurteilen zu kämpfen, so sind die Darstellungen davon mindestens so abgedroschen wie die Vorurteile an sich. Was dieser Roman allerdings zeigt, ist, dass Gesetzesverfechter sowie Gesetzesverletzer auch nur Menschen sind.
Kann dieser Kriminalroman mich inhaltlich nicht überzeugen, so punktet auch das Äußere nicht: Verzweifelt habe ich versucht, den Titel und das auf dem Cover abgebildete brennende Streichholz in eine stimmige Verbindung zu bringen und bin letzten Endes doch kläglich gescheitert. Als ich jedoch einen Blick auf den englischen Originaltitel warf, wurde mir vieles klar: Trick of the Dark, so lautet der nämlich.



Vielen Dank an lovelybooks und Knaur für das Rezensionsexemplar!

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