Montag, 26. März 2012

Zitat der Woche

(TV-)Tipp: Literaturverfilmungen 26.03.2012

Wer heute Abend noch nichts vor hat - macht nichts! Denn heute hat man ausnahmsweise mal die Qual der Wahl zwischen drei ausgezeichneten Literaturverfilmungen im Fernsehprogramm:

1. Arte, 22.00 Uhr: Die Asche meiner Mutter (1999), nach Frank McCourts mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten autobiografischen Roman Angela's Ashes. Hier der Trailer (englisch):

 

2. NDR, 23.15 Uhr: Das Mädchen mit dem Perlenohrring (2003), nach dem gleichnamigen historischen Roman von Tracy Chevallier. Hier der Trailer (deutsch):

 

3. MDR, 23.00 Uhr: Mephisto (1981), nach dem Roman von Klaus Mann und gewinner des Oscars in der Kategorie 'Bester fremdsprachiger Film'. Mit diesem Trailer wurde er bei der Verleihung des Academy Awards vorgestellt (englisch): 

 

Wofür ihr euch entscheiden mögt (ich weiß es selber noch nicht), ich wünsche gute Unterhaltung!

Donnerstag, 22. März 2012

Rezension: Karte und Gebiet von Michel Houellebecq

Jed Martin ist Künstler. Seinen Durchbruch hatte er, der ursprünglich mit akribischer Genauigkeit Schrauben ablichtete, mit fotografischen Arbeiten, die sich mit Straßenkarten auseinandersetzen. Dieser Geniestreich geht auf einen Zufall zurück:

„Auf die Bitte seines Vaters hin […] kaufte Jed eine Straßenkarte von Creuse und Haute-Vienne aus der Reihe >>Departemental-karten<< von Michelin. Und als er dort, ein paar Schritte von den in Zellophan gehüllten Sandwiches entfernt, seine Karte auseinanderfaltete, wurde ihm seine zweite große ästhetische Offenbarung zuteil. […] Die Quintessenz der Moderne, der wissenschaftlichen und technischen Erfassung der Welt, war hier mit der Quintessenz animalischen Lebens verschmolzen. […] in jedem Örtchen, jedem Dorf, das seiner Größe entsprechend dargestellt war, spürte man das Herzklopfen, den Ruf Dutzender Menschenleben, Dutzender, Hunderter Seelen […].“ (50)

Jed wird geliebt vom Michelin-Konzert, von den Kritikern und von der Russin Olga. Ob diese in seinen Arbeiten dasselbe sehen wie er? Doch Liebe ist sowieso vergänglich… Als Jed sich von seiner Kunst entfremdet, orientiert er sich um. Fortan steckt er all seine Energie in Portraitmalerei, genauer gesagt in Berufsportraits. Je mehr die Romanhandlung sich vertieft, desto deutlicher kommt der doppelte Boden des Romans hervor: Denn Houellebecq höchstpersönlich, der bereits zu Beginn des Romans am Rande der Handlung auftauchte, entwickelt sich nun zu einer Art Gegenstück, fast sogar zu einer Art Spiegel für Jed. Während letzterer an seinem Meisterwerk „Houellebecq, Schriftsteller“ arbeitet, soll der Schriftsteller eine Einleitung zu Jeds Werk schreiben. So bekommt Jed ungeahnte Einblicke in das eher traurige und einsame Leben des Schriftstellers. Doch dann geschieht ein brutaler Mord und der Roman verfällt über lange Strecken fast in einen Krimi-Modus. Nach der Klärung des Mordfalls steht Jed allerdings wieder im Fokus. Erneut muss dieser, der sowohl einen Freund als auch seinen Vater verloren hat, sein Leben und Schaffen überdenken. Und er zieht drastische Schlüsse. Doch anstatt alles dafür zu tun, um nicht so isoliert zu sterben wie der Schriftsteller und sein Vater, den er bis zu seinem Tod nicht wirklich zu kennen schien, sucht Jed gezielt die Konfrontation mit der Einsamkeit.
Houellebecqs Roman ist nicht nur im Künstlermilieu angesiedelt, er kommentiert den gesellschaftlichen Status von Kunst auf indirekte Art und Weise. Der Titel gepaart mit Jeds Haltung und Ausstellungstitel >>DIE KARTE IST INTERESSANTER ALS DAS GEBIET<< (78) bieten da einen interessanten Interpretationsansatz. Denn wenn dem so ist, dass die Karte, das menschlich geschaffene Konstrukt, tatsächlich interessanter ist als das Gebiet, welches für das reale Leben stünde, dann besagt das viel über den Stellenwert von Kunst. Hochpreisung und Kritik, Ruhm und Misserfolg, Leben und Tod - Houellebecq beleuchtet in seinem Roman stets beide Seiten der Medaille. Der Mordfall, der nahezu künstlerisch inszeniert wurde, deutet allerdings ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Karte und Gebiet in der heutigen Zeit an. Jeds Reaktion darauf, der sinnbildliche Rückzug aus dem Gebiet und das Verlorengehen mit der Karte, ist sicherlich nur eine Möglichkeit, mit dieser Entwicklung umzugehen. Doch muss es wirklich zu solch radikalen Maßnahmen kommen? Mit dieser Frage entlässt Houellebecq den Leser. Darin zeigt sich, dass Karte und Gebiet eben nicht nur ein Künster-, sondern auch ein Gesellschaftsroman von gegenwärtiger Brisanz ist.
 


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Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die 2011 bei Dumont erschien.

Mittwoch, 21. März 2012

Rezension: If on a Winter's Night a Traveler von Italo Calvino

Okay, du brauchst neuen Lesestoff, warst auch schon in der Buchhandlung, hast dir diesen Roman Calvinos gekauft und willst dich nun irgendwo - auf dem durchgesessenen Ohrensessel, im Bett oder auf der Liege im Freien - gemütlich hinpflanzen, damit endlich das Lesevergnügen beginnen kann… doch du ahnst nicht, dass wo ein Anfang ist, nicht zwangsweise auch ein Ende sein muss.
So ähnlich beginnt Calvinos experimenteller Roman If on a Winter’s Night a Traveler. Kapitel, die in der 2. Person Singular den (fiktiven) Leser adressieren alternieren mit diversen Romanauszügen. Das klingt nicht nur verwirrend, ist es spätestens dann auch, wenn der Leser feststellen muss, dass der Roman Calvinos, den er gerade anfing zu lesen, abrupt abbricht und sich im Anschluss nicht einmal als das Buch heraus stellte, das man eigentlich zu lesen gedachte. Also noch mal zurück in die Buchhandlung und das richtige Buch kaufen… aber so einfach macht es Calvino dem (fiktiven und realen) Leser nicht. Dieser begibt sich nämlich auf eine Spurensuche nach dem ursprünglichen Text, die einer Schatzsuche gleicht, bei der man nicht weiß, ob etwas in der Schatztruhe ist und wie wertvoll das sein mag.
Wenn das Wörtchen ‚wenn’ nicht wäre… Dieses Sprichwort trifft auf den Romantitel wie auf das dahinter liegende Konzept vollends zu. Auf der Suche nach dem ursprünglichen Text lernt der Leser nicht nur eine Frau oder das vergessene Land Cimmeria kennen, sondern erfährt auch, was es eigentlich bedeutet zu lesen. Die Aufgabe nicht nur des fiktiven, sondern auch des realen Lesers, sich immer wieder auf neue Romananfänge diverser Genres  einzu-lassen, die dann unvollendet abbrechen, ist manchmal herausfordernd, manchmal frustrierend. Doch die Tortur ist notwendig, um letzten Endes zusammenfassend festhalten zu können: „[R]eading is an operation without object; or that its true object is itself. The book is an accessory aid, or even a pretext.” Calvinos postmoderne Schatzsuche kann dann gesehen werden als Meta-Roman, der gemäß dem Motto ,Der Weg ist das Ziel.’ neue Pfade eröffnet, die der real-existierende Leser auch noch nach dem Lese-Erlebnis erkunden kann. 

      

Freitag, 2. März 2012

Literat des Tages: John Irving

Heute wird John Irving 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Gratulieren kann man dem in New Hampshire geborenen Schriftsteller allerdings nicht nur zum Geburtstag - auch seine literarische Karriere ist bemerkenswert. Als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Gegenwarts-literatur hat Irving mehr als ein dutzend Romane veröffentlicht und für sein Schaffen zahlreiche Preise eingeheimst. 1980 erhielt er für Garp und wie er die Welt sah, der ihm den internationalen Durchbruch verschaffte, den National Book Award, zwanzig Jahre später gewann er einen Oscar für das Drehbuch für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag. Obwohl jeder Roman Irvings ein Original ist und für sich selber steht, zieht sich dennoch thematisch und motivisch ein roter Faden durch sein Gesamtwerk. Beispielsweise beschäftigt Irving sich immer wieder mit den verschiedenen Formen der menschlichen Sexualität und hat außerdem eine fast bizarre Vorliebe für Bären. Seine Romane erzählen geschichten, die teilweise so absurd sind, dass sie nur aus dem wahren Leben stammen können. Ob dem so ist, dem geht derzeit in den deutschen Kinos der Dokumentarfilm John Irving und wie er die Welt sieht nach.

"The building of the architecture of a novel - the craft of it - is something I never tire of.
John Irving


Hoffentlich!




Donnerstag, 1. März 2012

Link-Tipp (Erinnerung): Hesse auf Facebook

Schon vor einiger Zeit habe ich euch dieses ambitionierte Projekt des Suhrkamp Verlags vorgestellt, heute ist es nun endlich gestartet.
Auf der Facebook-Seite 'Hermann Hesse antwortet' gibt es nun vier Rubriken, die an eure Beteiligung appellieren. In der ersten Rubrik, "Mein Lieblings...", könnt ihr derzeit über euer liebstes Buch von Hesse abstimmen. Unter "Hesse & Ich" seid ihr dazu aufgerufen, eure persönliche erste Erfahrung mit dem Schriftsteller bzw. seinen Werken niederzuschreiben. Am interessantesten ist jedoch die Rubrik "Hesse antwortet", um die sich das Projekt schließlich dreht. Dort wird jede Woche ein Brief Hesses abgedruckt, zu dem ihr Stellung nehmen könnt/sollt. Zu guter Letzt habt ihr in der Rubrik "Meine Frage" noch die Gelegenheit, euch selbst mit einem Anliegen an den Schriftsteller zu wenden. Was mit diesen Fragen geschieht, weiß ich noch nicht - ich bin aber gespannt! Genauso, wie auf die Reaktionen auf Hesses Briefe - und wer weiß, vielleicht schreibe ich beizeiten ja auch selbst eine... Ich werd es euch hier wissen lassen.